Die extreme Hitzewelle der vergangenen Tage hat nicht nur Mensch und Tier- sowie Pflanzenwelt zugesetzt, auch Atommeiler stoßen an ihre Grenzen. Wegen überhitzter Flüsse wurden in Frankreich drei Atomreaktoren abgeschaltet und zwei weitere in ihrer Leistung gedrosselt. Der Hintergrund: bei Hitze steigt der Kühlbedarf der Reaktoren massiv an. Zugleich steht nicht mehr ausreichend Kühlwasser aus Flüssen zur Verfügung. Zudem darf das erwärmte Kühlwasser aus ökologischen Gründen oft nicht mehr in die Flüsse zurückgeleitet werden, weil bei ohnehin schon heißen Außentemperaturen deren gesamtes Ökosystem aus den Fugen geraten würde. Ein Teufelskreis, der die Betreiber aus sicherheitstechnischen und ökologischen Gründen immer wieder zwingt, AKWs vom Netz zu nehmen.
AKWs haben ein Resilienzproblem
Die französische Atombranche betont zwar, dass hitzebedingte Einschränkungen bisher meist zeitlich begrenzt bleiben und nicht automatisch ein akutes Sicherheitsproblem darstellen. Dennoch offenbaren sie eine Schwäche: Atomenergie ist nicht unabhängig von Klima und Wasser. Ein Energiesystem, das in einer wärmeren Welt verlässlich sein soll, muss auch dann funktionieren, wenn Flüsse niedrig stehen, Nächte kaum abkühlen und mehrere Regionen gleichzeitig unter Trockenheit leiden.
Teure Alternativen
Ökonomisch sind temperaturbedingte AKW-Drosselungen vor allem deshalb höchst problematisch, weil sie kurzfristig planbare Strommengen verknappen und am Spotmarkt daher zu deutlichen Preissprüngen führen. Fehlt Atomstrom in Zeiten hoher Nachfrage, müssen andere Kraftwerke einspringen, in erster Linie sind dies flexible, aber teure fossile Anlagen wie Gaskraftwerke. Gerade in Hitzeperioden, die selbst Ausdruck der Klimakrise sind, ist dies paradox!
„Wer über die Zukunft der Energieversorgung spricht, sollte daher nicht nur fragen, welche Technologie im Durchschnitt funktioniert, sondern auch, wie robust sie unter Stressbedingungen ist. Dazu gehört auch eine realistische Bewertung aller Einflussgrößen wie zunehmende Hitzeperioden, die lange unterschätzt worden sind. Atomenergie ist allein deshalb keine Option,“ kommentiert unser CEO Jörg Busboom.
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Abb.: Montage ÖKORENTA