Der Plan aus dem Bundeswirtschaftsministerium, die Stromversorgung in Deutschland stärker auf Gaskraftwerke abzustellen, ist eine der teuersten Optionen. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Forums Ökologisch‑Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Green Planet Energy. Anders als behauptet ist Erdgas keinesfalls ein kostengünstiges Backup für das deutsche Energiesystem. Im Gegenteil: Die reinen Stromgestehungskosten (= der rechnerische, durchschnittliche Preis pro Kilowattstunde über die gesamte Laufzeit einer Anlage unter Berücksichtigung aller Kosten von der Investition über den Betrieb bis hin zum Rückbau) aus neuen Gaskraftwerken liegen zwischen 23 und 28 ct./kWh. Zum Vergleich: Strom aus neuen Wind‑ und Solaranlagen liegt unter 10 ct./kWh, aus Kernenergie bei bis zu 50 ct./kWh. Nicht eingerechnet in den Preis für Strom aus Erdgas sind dabei die gesellschaftlichen Mehrkosten – von Klimaschäden durch Emissionen über staatliche Subventionen bis hin zu Krisen- und Importkosten. Diese können die Stromgestehungskosten aus Erdgas auf bis zu 67 ct/kWh ansteigen lassen, so die Studie.
Strom aus Gaskraftwerken nur mit Subventionen bezahlbar
Neue Gaskraftwerke rechnen sich nur mit milliardenschweren Subventionen. Allein für die im ersten Schritt vom Bundeswirtschaftsministerium geplanten zehn Gigawatt an neuen Gaskraftwerkskapazitäten rechnet das FÖS mit Förderkosten von rund 6,6 Mrd. €. Schon heute wird Erdgas in Deutschland staatlich umfangreich subventioniert, durch Zuschüsse für Gasspeicher und LNG‑Terminals oder durch Steuerbefreiung bei der Stromerzeugung. Diese Förderung in Milliardenhöhe senke künstlich die Kosten für Gasstrom. Zudem werde die Klimaschädlichkeit von Erdgas bewusst kleingeredet: Über die Gesamtlaufzeit verursache jedes neue Kraftwerk bis zu 8,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid sowie Klimaschäden von bis zu 7 Mrd. €, die nicht über die Besteuerung von Emissionen abgedeckt seien, so die Studie.
„Die vorgelegten Zahlen dokumentieren einmal mehr, wie unzulänglich die vom Bundeswirtschaftsministerium vorgelegte Kraftwerksstrategie für die Weiterentwicklung unseres Versorgungssystems ist. Geopolitische Krisen zeigen wiederholt, wie schnell Erdgas zum Kosten- und Sicherheitsrisiko werden kann. Es bedarf dringend einer Strategie, die unser Stromversorgungssystem ganzheitlich unter Einbeziehung des Netzausbaus erfasst, denn Erneuerbare Energien sind nicht das Problem, sondern die Lösung“, kommentiert unser Vertriebschef Clemens Mack.
>> Hier geht es zur Studie des Forums Ökologisch‑Soziale Marktwirtschaft (FÖS)
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