Mailänder Dom nutzt unerwartete Energiequelle

Mailänder Dom nutzt Wärme aus Rechenzentren

Energiewende ganzheitlich denken

Wer an den Mailänder Dom denkt, hat wohl kaum Rechenzentren, Server und KI vor Augen, doch es gibt eine Verbindung: Der Dom und über 21.000 weitere Gebäude in Mailand – bis hin zum Flughafen – werden mit der Abwärme lokaler Rechenzentren beheizt. Durch diese intelligente Einspeisung in das städtische Fernwärmenetz spart die Metropole jährlich über 345.000 Tonnen CO₂ ein.

Die Digitalisierung boomt und verbraucht enorme Mengen Strom. Doch dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie die dabei entstehende Wärme als wertvolle Ressource genutzt und zum fundamentalen Baustein der Energiewende werden kann, statt in der Atmosphäre zu verpuffen.

Mailand ist kein Einzelfall. Ein Blick auf weitere europäische Nachbarn zeigt, dass die Nutzung von Rechenzentrums-Abwärme keine ferne Zukunftsvision, sondern gelebte Praxis ist:

  • In Paris liefert ein lokales Rechenzentrum die Energie, um das olympische Schwimmbad zu beheizen.
  • In Stockholm wird die Abwärme systematisch in das Fernwärmenetz integriert. Tausende Haushalte erhalten so täglich CO₂-freie Wärme und Warmwasser für Wohnungen, Büros und öffentliche Gebäude.

Auch bei uns in Deutschland wird die Abwärme von Rechenzentren in Projekten in Frankfurt, Berlin und München bereits erfolgreich genutzt.

Das Potenzial ist groß, denn der Stromverbrauch von Rechenzentren und Serverinfrastruktur in Deutschland nimmt laufend zu. Er macht inzwischen 3 bis 4 % des gesamtdeutschen Stromverbrauchs aus. Die Energie, die dabei in Form von Abwärme anfällt, entspricht gemäß Energieagentur BW in etwa dem Wärmebedarf von rund zwei Millionen Haushalten.

Gemäß Berechnung der Deutschen Energie Agentur dena könnte der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf über 30 TWh (von heute etwa 20 TWh) und bis zum Jahr 2045 auf rund 80 TWh steigen – enorme Ressourcen, die es effizient zu nutzen gilt!

Es steht außer Frage: Vernetzt zu denken und zu planen ist beim Neubau von Rechenzentren enorm wichtig, damit direkt geeignete Abnehmer für die Abwärme einbezogen werden. Wenn das konsequent umgesetzt würde, könnten Rechenzentren einen beachtlichen Beitrag zu einer klimafreundlichen Wärmeversorgung leisten.

„Strom, Wärme und Digitalisierung werden insbesondere auch in der politischen Debatte noch viel zu oft isoliert betrachtet. Die Beispiele zeigen, dass eine erfolgreiche Energiewende aus vielen Einzelteilen besteht und ganzheitlich gedacht werden muss, damit optimaler wirtschaftlicher und nachhaltiger Nutzen daraus entsteht“, so unser CEO Jörg Busboom.

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Abb.: Mailänder Dom © Frederic Prochasson, stock.adobe.com

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